Aktuelles


Im Rahmen des Projektes „Gleichwertige Lebensverhältnisse“ findet am 9. Oktober 2017 ein Workshop in Nürnberg statt. Dabei sollen die im Rahmen des Projektes erlangten Ergebnisse und Erkenntnisse sowohl der wissenschaftlichen Gemeinschaft als auch den politischen Entscheidungsträgern vorgestellt und mit diesen diskutiert werden. Das Programm des Workshops finden Sie hier:


Programm – Workshop Gleichwertige Lebensverhaeltnisse




Weiterhin wird das Projekt am 21. Oktober 2017 auf der Langen Nacht der Wissenschaften vorgestellt. Der Titel des Programmbeitrages lautet „Gleichwertigkeit der Lebensverhältnisse – was der Staat tut und tun sollte“. Den Link zu der Veranstaltung finden Sie hier!


 

Einführende Informationen

Bei dem Projekt „Gleichwertige Lebensverhältnisse – wahrgenommene Gerechtigkeit und wirtschaftliche Effekte von regional ausgerichteten Politiken“ handelt es sich um ein von der VolkswagenStiftung gefördertes Gemeinschaftsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Philipps-Universität Marburg. Die Durchführung des Projekts erfolgt arbeitsteilig durch den Lehrstuhl Volkswirtschaftslehre, insbesondere Sozialpolitik sowie den Lehrstuhl für Soziologie und empirische Sozialforschung in Nürnberg und den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Standortforschung in Marburg. Die Projektlaufzeit beträgt 3 Jahre.

Thematische Inhalte und Ziele des Projektes

Beträchtliche Disparitäten in den Produktions- und Lebensbedingungen der Regionen lassen sich sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene feststellen. Diese betreffen sowohl Wertschöpfung, Innovation, Einkommen, Preise und Arbeitsmarktbedingungen als auch soziale und technische Infrastruktur der Daseinsvorsorge und gehen einher mit divergierender subjektiver Lebenszufriedenheit und Migration in die aufstrebenden Regionen.

Die damit verbundene soziale Ungleichheit stellt für moderne Gesellschaften eine besondere Herausforderung dar, da sie die Legitimität des politischen und sozialen Systems in Frage stellen kann. Aus Sozialstaats-, Bundesstaats- und Rechtsstaatsprinzip wird für den Staat in Deutschland die Verpflichtung abgeleitet, gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen. Direkte staatliche Politik zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse erstreckt sich vorrangig auf die Daseinsvorsorge (z.B. Verkehrsinfrastruktur und Schulbildung), den horizontalen und vertikalen Finanzausgleich zwischen Gebietskörperschaften sowie die gezielte Förderung strukturschwacher Regionen. Darüber hinaus existieren indirekte Mechanismen (wie bspw. Steuer- und Sozialversicherungsgestze), die von Regionen mit hohen Löhnen und günstigen Arbeitsmarktbedingungen in solche mit niedrigen Löhnen und schlechter Arbeitsmarktlage umverteilen.

All diese politischen Maßnahmen beruhen implizit auf der Annahme, dass die damit verbundene Umverteilung von der Bevölkerung als gerechtfertigt betrachtet und damit befürwortet wird. Dahinter steht die Beobachtung, dass die Einführung, Veränderung oder Abschaffung derartiger Maßnahmen ohne die Akzeptanz der Bevölkerung schwer durchgesetzt werden können oder zu Politikverdrossenheit führen. Im Projekt wird im Detail die Einstellung der deutschen Bevölkerung vor allem zu verschiedenen staatlichen Maßnahmen untersucht und dabei ermittelt, welche persönlichen und regionalen Merkmalen diese Einstellung beeinflussen.

Die Einstellung der Bevölkerung zu diesen Maßnahmen hängt jedoch nicht nur vom Gerechtigkeitsempfinden der Personen, sondern auch von Kosten und Nutzen der Maßnahmen ab. Daher ist neben der Befragung die Untersuchung der wirtschaftlichen Effekte von ausgewählten politischen Maßnahmen ein wichtiger Bestandteil des Projektes. Damit ist zum einen eine Abwägung von gesamtwirtschaftlichen und umverteilenden Effekten möglich und zum anderen wird die Grundlage dafür geschaffen, die Einstellung der Bevölkerung zu den Maßnahmen unter Berücksichtigung der ökonomischen Kosten und Nutzen zu messen.